Vertiefung · Ablauf des Lernens und der Lernkurve
Wie trainieren wir?
Bei Kai kannst Du alles lernen, was Du brauchst, um Dich mit und am Gleitschirm oder Parakite wohl und sicher zu fühlen.
Das sind Inhalte unseres begleiteten Trainings – keine Anleitung zum Ausprobieren auf eigene Faust.
Die meisten von uns streben nach Kontrolle und Sicherheit. Wir wollen keinen Stress am Schirm haben. Und für viele sind der Start und/oder die Landung Stress.
Warum kann das so sein? Dazu folgen ein paar wilde Hypothesen. Die erste: Wir haben noch nicht ganz verknüpft, dass der Schirm mit seinem Piloten zusammen ein Pendel ist. In der Luft hat das jeder von uns schon erlebt, bewusst oder unbewusst. Dort rettet uns, je nach Material und Situation, der Schirm. Oder wir lernen, das Pendel in der Luft zu kontrollieren (Sicherheitstraining, Funk und Erfahrung).
Am Boden, beim Start und bei der Landung, denken wir dagegen oft, dass wir der Chef sind. Stehen und Bewegen auf dem Boden gehören schließlich fest zu unserem Alltag. Dabei verdrängen wir, dass der Schirm auch hier mit uns ein Pendel bildet, ob er über, neben, vor oder hinter uns ist. Und dass wir unseren Körper hier einsetzen sollten, entweder intuitiv oder gelernt und dann bewusst. Nur so verschwindet der Stress, und wir haben die Situation wirklich unter Kontrolle. Denn nur weil ich mich nicht verletzt habe oder die Situation noch mal gut gegangen ist, heißt das ja nicht automatisch, dass ich die Kontrolle habe.
Eine weitere Hypothese: Wir haben noch nicht ganz das Gefühl dafür, wann der Schirm wo genau Druck aufbaut und wie ich da mit hineinspiele. Auch das geht auf das Pendel zurück. Vor allem hängt es mit unserer Körpermotorik zusammen. Und natürlich wieder einmal mit dem Material.
Wer hat sich denn schon mal Gedanken darüber gemacht, warum die Karabiner am Gurtzeug dort sitzen, wo sie sitzen? Haben die Gurte und Verstrebungen Einfluss? Und wenn ja, wann und wie? Kann es sein, dass nicht nur die Größe von Gurtzeug und Schirm meine Bewegungen beeinflusst, sondern auch andersherum?
Und noch eine: Weißt Du wirklich, wie Du Deinen Körper beim Handlen und Fliegen einsetzt? Oder hast Du „nur“ ein Bild im Kopf, wie Du glaubst auszusehen (natürlich hübsch und stylisch)?
Ich denke da direkt an meine Anfänge zurück. Gurtzeug an (fand ich einfach schön, und es passte auch). Schirm über mir (weil nur da ein Gleitschirm hingehört). Blick nach oben zur Kappe (weil: Woher soll ich sonst wissen, was da oben passiert?).
Von außen sah Kai: gestreckte Knie, durchgebogene Wirbelsäule, entlastete Karabiner, kein Puffer bei einer Böe. Und einen angebremsten Schirm, weil durch das Nach-oben- und Nach-hinten-Gucken die Hände samt Steuerleinen leicht nach unten gezogen wurden. Für ihn war klar, dass ich mich unwohl fühle.
Für mich hieß es: Scheiße, es geht nach hinten, und ich kann nicht gegenhalten. Die Folge: Ich habe mich verspannt, bin rückwärts mitgerannt und habe noch mehr gezogen. Und schwups ging die Reise ungewollt rückwärts. Oder jemand neben mir musste mir zurufen, dass ich ungewollt immer weiter in eine Richtung getänzelt bin. Alles totale Scheiße.
Deshalb macht die Blickführung doppelt Sinn. Dein Körper ist in einer viel besseren Ausgangslage, und Du kannst Dich an der Umgebung orientieren. Was die Kappe macht, kannst Du fühlen lernen. Dafür sind die Übungen da.
Und noch eins: Der Schirm gehört nur zum Fliegen über Dich. Sonst parken wir ihn immer am Rand des Windfensters. Das ist viel entspannter. Und, Info nebenbei: Du siehst die Kappe dort sogar.
Und hier kommen wir zum Punkt. An der Küste kannst Du nicht nur schön fliegen, Du hast auch die Bedingungen, um ganz viel zu üben und viele Wiederholungen zu machen. Jeder braucht sehr viele Wiederholungen, bis alte Bewegungsmuster überschrieben sind. Und dafür gibt es hier Raum. Und zwar eine Menge. So viel und so lange, wie Du brauchst. Das Training kann sehr individuell gesteuert und unterstützt werden.
Kai zeigt Dir, was in verschiedenen Situationen passiert und wie Du alternativ handeln kannst oder solltest. Dann gibt er Dir passende Übungen. Ob Du sie umsetzt, entscheidest Du. Viele scheuen sich, die Exit-Strategie wirklich zu üben. (Ich versteh's. Aber es befreit so sehr, wenn man sich ein paar Mal bewusst durchgetraut hat.) Also: Wenn Du die Einzelübungen machst, wird es leichter.
Wenn Du es bis hierher geschafft hast, kommen wir zur nächsten Hürde. Der liebe Rüdiger (Psychologe) hat Kai einmal erzählt, dass es unterschiedliche Menschen gibt: die Grauen, wie fast jeder von uns, und die Schwarz-Weißen, wie Kai. Das sagt nicht, wer besser oder schlechter ist, sondern wie jemand im Alltag meistens tickt. Für Kai am Schirm heißt das: Wenn ich etwas auf eine bestimmte Weise übe und es mir ins Gefühl übergeht, dann mache ich es auch nur noch so. Will der Schirm mich auch nur 30 cm von der Linie ziehen, steuere ich konsequent gegen, bis ich wieder exakt da bin, wo ich sein will.
Wir Grauen sind da anders. Und jetzt bitte nicht falsch verstehen: Wir denken das Folgende nicht aktiv (das wäre ja leicht abzustellen). Aber es läuft ungefähr so ab: Ich würde gerne dort lang gehen oder fliegen. Oh, der Schirm zieht mich aber dort hin. Mmhh. Ich halte mal etwas gegen. Oder ich bremse mal, um mich zu halten. Sch… jetzt geht's nach hinten. Oder: Uhi, uhi, uhi, jetzt geht's aber schnell zur Seite. Ich laufe besser mal mit, damit ich nicht falle. Und weil ich fast falle, halt ich mal fest.
Was dann passiert, sieht von außen immer gleich aus. Das weiß jeder, der da schon durch ist: Kai schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, und Du bist frustriert. Dank Rüdiger verstehen wir diesen Prozess jetzt alle besser und können Dir sagen: Auch diese Phase geht vorüber. Mach die Übungen so, wie Kai sie Dir zeigt und erklärt. Hab Vertrauen und gib Dir etwas Zeit.
Einige der Hilfsmöwen sind immer dabei und unterstützen. Und versprochen: Wenn Du einmal über diese Klippe bist, fragst Du Dich, warum nicht gleich so. Der Weg ist immer der gleiche, nur unterschiedlich ausgeprägt. Das Wichtigste ist: Er funktioniert und wird stetig weiterentwickelt.
Möwen wollen fliegen, nicht laufen. – Kai
ENDLICH FREI FLIEGEN.
Im Winter auf Lanzarote, im Sommer an Europas Küsten. Am Boden lernen, in der Luft ankommen.